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Gütersloh, 26.03.2017

Aktuelles

Dialog in Deutsch

17.09.14

Bürgerstiftung und Stadtbibliothek bringen Migranten ins Gespräch

In der Stadtbibliothek können Migranten auch nach der Sommerpause üben, mehr und besser Deutsch zu sprechen. Ehrenamtliche der Bürgerstiftung leiten die kostenlosen Gesprächsrunden, die dreimal in der Woche in der Stadtbibliothek stattfinden. Hier treffen sich Menschen, die in Gütersloh zu Hause sein wollen – und darum eines besonders gut gebrauchen können: unkomplizierte, fröhliche Gespräche in Deutsch. Das Team der Bürgerstiftung würde sich über neue Teilnehmer freuen, denn der Dialog lohnt sich.

„Manchmal gucke ich mit meinem Sohn den Kinderkanal, das ist kein Problem“, erklärt Adriana aus Venezuela. „Aber ich muss lernen zu sprechen. Sprechen, sprechen, sprechen. Nur dann wird mein Deutsch besser.“ Wer kennt die Situation nicht? Man erlernt eine Sprache – theoretisch. Aber wirklich zu sprechen, das erfordert schon einiges an Mut und Übung. Adriana ist vor drei Jahren mit ihrem Mann und ihrem Sohn nach Deutschland gekommen. Seitdem hat sie fleißig geübt, an Sprachkursen teilgenommen – aber einfach mal drauf los quatschen, die Gelegenheit bietet sich viel zu selten. Und genau das hat sich das Projekt „Dialog in Deutsch“ zum Ziel gesetzt: Menschen in einer Sprache ins Gespräch zu bringen, die ihnen bisher fremd war aber in Zukunft alltäglich sein wird.

Nun sitzen sie in der Stadtbibliothek an einem Tisch: Adriana und Jean-Christophe aus Frankreich, Atie aus Syrien und Margarita aus Portugal. Sie unterscheiden sich nicht nur im Alter, auch die Beweggründe nach Deutschland zu kommen, könnten verschiedener nicht sein: Krieg, Korruption, bessere Jobchancen oder einfach Neugierde.

Aber so unterschiedlich die Teilnehmer auch sind – eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind neu in Deutschland, neu in Gütersloh und stehen nun vor der Herausforderung, eine Sprache zu lernen, die so ganz anders ist als die eigene Muttersprache. Dreimal in der Woche bieten Stadtbibliothek und Bürgerstiftung deshalb auch nach der Sommerpause wieder die jeweils einstündigen Gesprächsrunden an. Die Gespräche werden dabei abwechselnd von insgesamt 16 Ehrenamtlichen moderiert.

„Unsere Aufgabe ist es, die Gespräche in Gang zu bringen, Themen anzuregen und darauf zu achten, dass jeder irgendwie zu Wort kommt“, erklärt Barbara Bierfischer, die das Projekt koordiniert und bei der heutigen Runde als Moderatorin agiert. „Die Herausforderung liegt vor allem darin, dass die Teilnehmer teilweise auf einem völlig anderen Stand sind.“ Aber das ist eben auch der Vorteil des Konzepts, denn schließlich kennt jeder aus der Gruppe die Situation, sich in einer noch völlig fremden Sprache verständigen zu müssen. So kann man sich gegenseitig helfen, man kennt die Schwierigkeiten ja aus eigener Erfahrung.

Gleichzeitig gibt es keine Möglichkeit auf eine gemeinsame Heimatsprache auszuweichen – das Deutsche ist eben die einzige Verbindung in diesem Dialog. Dennoch funktionieren die Gespräche, es wird sich ausgetauscht. Über den Herbst, die unterschiedlichen Jahreszeiten in den Heimatländern und was man schon gesehen hat, von der neuen Heimat – von Deutschland. Komplizierte Grammatik, richtig oder falsch, das ist nebensächlich. Was hier zählt, ist das Gespräch. „Manchmal muss man sich einfach trauen, auch wenn man Fehler macht“, ermutigt Barbara Bierfischer. Und wenn all die Worte einmal nicht ausreichen, werden eben die Hände oder auch mal die Bilder in einer Zeitschrift zur Hilfe genommen. Jean-Christophe, der sich inzwischen gut auf Deutsch verständigen kann, freut sich auch für die anderen: „Es ist schön, wenn man sieht, dass alle besser werden.“

Der „Dialog in Deutsch“ findet statt immer dienstags (13-14 Uhr), mittwochs (17-18 Uhr) und donnerstags (11-12 Uhr) im 2. OG der Stadtbibliothek Gütersloh. Eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich.

Bildzeile:

Gute Stimmung beim Dialog in Deutsch: Die Moderatorin und Projektleiterin der Bürgerstiftung Gütersloh, Barbara Bierfischer, im Kreis der Gesprächsteilnehmer.