Preis der Bürgerstiftung Gütersloh
Der Preis der Bürgerstiftung Gütersloh wird seit 1998 an Gütersloher Initiativen und Bürger verliehen, die sich vorbildhaft und tatkräftig für die Förderung und Wiederherstellung der Gemeinschaftsfähigkeit einsetzen. Honoriert werden die Preisträger für ihr außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, beispielhafte Ideen, Projekte und Vorhaben. Sie tragen zur Verbesserung des Zusammenlebens und der Lebensqualität in der Stadt Gütersloh bei und regen zur Nachahmung an.
Preisträger 2011
Kinder und Jugendliche sind Mitbürger! Sie müssen und sie können an politischen Entscheidungen beteiligt werden. Dass das funktioniert, beweist seit zehn Jahren das Gütersloher Jugendparlament – und erhält dafür jetzt den Preis der Bürgerstiftung Gütersloh. Die Preisverleihung in der Stadthalle war für die meisten Jugendparlamentarier eine echte Überraschung: Sie waren gekommen, um an „irgendeiner Weihnachtsfeier mit der Bürgermeisterin“ teilzunehmen. Dass sie mit einem Preisgeld von 5.000 Euro und damit einer handfesten Wertschätzung ihrer ehrenamtlichen Arbeit geehrt wurden, machte aus dem Festakt in der Stadthalle ein fröhliches und junges Fest.
„Wow! – Habe ich gedacht! Jetzt klopft man uns für unsere Arbeit auf die Schulter, großartig!“, beschrieb der Sprecher des Jugendparlaments Nahir Aslan seine erste Reaktion auf die Nachricht von der Auszeichnung. Für ihn und seine JuPa-Kollegen sei der Preis eine wichtige Anerkennung. Sie mache deutlich, dass die Jugendlichen wahr- und ernst genommen werden. „Was wir mit dem Preisgeld machen, müssen wir natürlich erst im Parlament diskutieren.“, sagte Aslans Sprecher-Kollegin Nathalie Hark. „Wahrscheinlich werden damit noch Aktionen in unserem Jubiläumsjahr finanzieren, sind aber auch offen für ganz neue Projekte. Wir bauen da voll auf die guten Ideen der Jugendlichen.“ Die Bürgerstiftung Gütersloh konnte für die Laudatio den Erziehungswissenschaftler Professor Waldemar Stange von der Universität Lüneburg gewinnen.
„Was mir besonders imponiert hat, ist die Tatsache, dass das Gütersloher Jugendparlament nicht nur Freizeit- und Fun-Angebote entwickelt hat, sondern sich auch durch soziales Engagement auszeichnet.“, sagte Waldemar Stange und zitierte aus einer langen Liste von JuPa-Projekten: Ob nun Integrationsangebote für Kinder von Asylbewerbern, kostenlose Nachhilfe für sozial schwache Kinder oder Gegenproteste bei Aufmärschen von Neonazis. Warum hält ein Jugendparlament zehn Jahre – und hoffentlich noch länger – durch?„Demokratie fällt bekanntlich nicht vom Himmel“, sagte er. „Demokratie und die Bereitschaft zum Engagement müssen gelernt werden wie alles andere auch im Leben. Und: Demokratie lernt man, wenn man an ihr teilnimmt!“ Humorvoll und wissenschaftlich zugleich machte Stange deutlich, wie wichtig ein funktionierendes Jugendparlaments für eine Gemeinschaft ist.
Was zum Beispiel haben eine Hummel und das Gütersloher Jugendparlament gemeinsam? Mit einer Metapher drückte Stange seinen tiefen Respekt vor den Jugendlichen aus: Die Flügel der Hummel seien in Relation zu ihrem Körpergewicht nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich zu klein, um fliegen zu können. Die Hummel wisse das aber gar nicht – und flöge einfach los! Genau wie das Gütersloher Jugendparlament! Das weiß vielleicht auch nicht immer, wie mühselig Demokratie im Großen sein kann – es lebt sie ganz einfach.
Erziehungswissenschaftler Stange hat viele Jugendparlamente untersucht. „Die Mehrheit, die ohne Infrastruktur und personelle Unterstützung, starben den schnellen demokratischen Tod. Hier zeigt sich ein Prinzip aller Pädagogik: Das Geheimnis guter Kinder- und Jugendbeteiligung sind gute Erwachsene! Hier in Gütersloh ist das der Herr Ebbing als betreuender Mitarbeiter des Jugendparlaments, dem ich an dieser Stelle ausdrücklich für sein Engagement danken möchte.“
Doch ist nun die Zeit der Lorbeeren angebrochen? Nein! „Ich könnte mir noch etwas mehr Mut vorstellen: In der Gütersloher Satzung für das Jugendparlament ist noch keine enge Verzahnung mit dem kommunalen „Erwachsenenparlament“ vorgesehen. Es gibt Städte, in denen funktioniert das wunderbar!“, sagte Stange.
Die Entscheidung, in diesem Jahr das Jugendparlament mit dem Ehrenamtspreis auszuzeichnen, war der Bürgerstiftung leicht gefallen. Kuratoriums-Vorsitzender Werner Gehring sagte: „Das 10jährige Bestehen zeigt, dass das Jugendparlament eine verlässliche Einrichtung in Gütersloh ist, in der Jugendliche eine Stimme haben und das gemeinsam viel umsetzt.“ Es werde immer über die Politikverdrossenheit von Jugendlichen geredet. In Gütersloh aber bewiesen die Mitglieder des Jugendparlaments das Gegenteil. Brigitte Büscher, Sprecherin des Vorstandes der Stiftung, ergänzte: „Ich finde, man kann es kaum besser sagen, als Professor Stange mit seinem Zitat von Perikles, dem großen Politiker der Antike: Wer an den Dingen seiner Stadt keinen Anteil nimmt, ist nicht ein stiller Bürger, sondern ein schlechter.“
