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Gütersloh, 18.07.2018

Preis der Bürgerstiftung Gütersloh

Der Preis der Bürgerstiftung Gütersloh wird seit 1998 an Gütersloher Initiativen und Bürger verliehen, die sich vorbildhaft und tatkräftig für die Förderung und Wiederherstellung der Gemeinschaftsfähigkeit einsetzen. Honoriert werden die Preisträger für ihr außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, beispielhafte Ideen, Projekte und Vorhaben. Sie tragen zur Verbesserung des Zusammenlebens und der Lebensqualität in der Stadt Gütersloh bei und regen zur Nachahmung an.

Preisträger 2017

Vom Sprint zur Langstrecke

Preis der Bürgerstiftung Gütersloh 2017 geht an 11 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer

Gütersloh. Sie organisieren Möbel und flicken Fahrräder. Sie lehren Deutsch und begleiten im Alltag. Sie kämpfen für ein gutes Miteinander und gegen Vorurteile – Flüchtlingshelferinnen und -helfer stellen sich ehrenamtlich an die Seite von geflüchteten Menschen in Gütersloh. Die Zeit, in der die große Zahl von Flüchtlingen und die beeindruckende Hilfsbereitschaft vieler Gütersloher die Schlagzeilen bestimmt hat, ist derzeit vorbei. Doch die Ehrenamtlichen sind noch da. Sie leisten ihre Arbeit ohne großes Aufheben. Jetzt wurden elf von ihnen – stellvertretend für alle Gleichgesinnten in Gütersloh – mit dem „Preis der Bürgerstiftung“ 2017 ausgezeichnet worden. Flüchtlingsstaatssekretär Andreas Bothe dankte im Namen der Landesregierung für das Engagement.

Sie sind viele – und sie setzen sich auf verschiedene, persönliche Art für Flüchtlinge ein. Die Dolmetscherin Nesrin Sayar zum Beispiel. Anfangs leitete sie die sogenannten BAMF-Deutschkurse, lernte dort Menschen kennen, mit denen sie eine Leidenschaft teilt: den Laufsport. Mit sechs jungen Männern trainiert sie seither und gemeinsam haben sie auch schon einen Hermannslauf geschafft. „Sport und Deutschlernen – das hat mich total begeistert. Das ist mein Ding“, sagt Nesrin Sayar. „Ich engagiere mich für geflüchtete Menschen, weil ich möchte, dass sie hier ihre vielen Fragen beantwortet bekommen, sich einleben und ankommen.”

Oder Volker Zobel. Im Herbst 2015 war er an Baumaßnahmen zur Vorbereitung von Flüchtlingswohnungen in der Gemeinde Heilig Geist beteiligt. Seit Januar 2016 betreut er drei Flüchtlingsfamilien, die dort eingezogen sind. Denn er sah ihre Not: Die Wohnungen waren nur spärlich ausgestattet – er organisierte mit Hilfe von Freunden, Verwandten, Gemeindemitgliedern den notwendigen Hausrat. Die Menschen kamen ohne Sprachkenntnisse kaum zurecht – Volker Zobel begleitet sie bis heute bei Behördengängen, Arztbesuchen oder Hausaufgaben. „Ich engagiere mich, weil ich die Not wenden möchte“, sagt Zobel. „Und die Dankbarkeit der Familien ist für mich die wichtigste Motivation.“

Die Bürgerstiftung Gütersloh engagiert sich schon seit Herbst 2015 für Flüchtlinge, als sie mit Hilfe großer Unternehmen und vieler Privatleute einen Spendenfonds zur Unterstützung ehrenamtlichen Engagements in der Flüchtlingshilfe auflegte. „Jetzt, zwei Jahre später, möchten wir mit dem Preis der Bürgerstiftung die Menschen ehren, die sich von ihrem Engagement nicht haben abbringen lassen“, sagt der Kuratoriumsvorsitzende Dr. Ernst Wolf. „Diese elf Ehrenamtlichen stehen stellvertretend für die vielen engagierten Bürgerinnen und Bürger in unserer Stadt, die sich vom Sprint der großen Hilfsbereitschaft im Herbst 2015 auf die Langstrecke der Unterstützung begeben haben.“ Elf Menschen, die in neun unterschiedlichen Projekten arbeiten, erhalten von der Bürgerstiftung ein Preisgeld, je Projekt in Höhe von 1.000 Euro. „Die Bürgerstiftung verleiht ihren Ehrenamtspreis in diesem Jahr zum 20. Mal“, sagt Brigitte Büscher, Sprecherin der Bürgerstiftung. „Wir möchten mit der Wahl ein Zeichen setzen für Integration, Begegnung, Verständigung und Toleranz in unserer Stadt."
Die Laudatio der festlichen Jubiläums-Preisverleihung hielt Staatssekretär Andreas Bothe vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes NRW. Er würdigte die Bedeutung des Ehrenamtes für den Zusammenhalt in einer Gesellschaft: "Sie haben nicht gezögert, sondern geholfen, als es darauf ankam. Sie sind Teil einer Bürgerbewegung der Menschlichkeit und erhalten diesen Preis stellvertretend für die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer, die sich im Verborgenen engagieren. Wir wissen: Integration braucht Zeit und gelingt nur, wenn Staat und Zivilgesellschaft Hand in Hand arbeiten. Ich danke Ihnen im Namen der Landesregierung für ihr großartiges Engagement."

Gespräche und Erzählungen der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer machten deutlich, wie zeitaufwändig, intensiv und anstrengend zugleich dieser Einsatz ist. Ron Ferrier zum Beispiel kam zu seinem Ehrenamt durch eine Informationsveranstaltung der Stadt Gütersloh im Januar 2016. Er folgte dem Aufruf, sich für die neuen Nachbarn einzusetzen – und genau das tut er seither in der Parseval Siedlung. Organisiert Möbel, koordiniert Begegnungen im Ehrenamtshaus, hilft bei Problemen, schlichtet Streit. Begleitet die neuen Nachbarn zu Ausflügen und vernetzt sich mit anderen Ehrenamtlichen. Die Liste ist noch viel länger – was für Ron Ferrier aber gar nicht entscheidend ist. „Ich engagiere mich für geflüchtete Menschen, weil sie entwurzelt sind, weil sie Schreckliches erlebt haben und alles verloren haben.“

Stellvertretend für alle Preisträger bedankten sich Nesrin Sayar und Ernst Johann Klinke für die Auszeichnung: „Die Bürgerstiftung lenkt mit diesem Preis die Aufmerksamkeit auf die schutzwürdigen Interessen der Geflüchteten in Gütersloh und sendet ein wichtiges humanitäres, politisches Signal gegen flüchtlingsfeindliche Stimmungen und Haltungen in der Stadt. Sie ermutigen uns in unserer Anstrengung und leisten einen Beitrag für ein offenes, vielfältig buntes, fair aufgestelltes Gütersloh.“

 

Foto von links nach rechts:

Vordere Reihe: Ernst Klinke, Otto Holdijk, Barbara Brinkmann, Elisabeth Meier, Monika Geißler, Ulrike Poggenklaß

Hintere Reihe: Dr. Ernst Wolf, Brigitte Büscher, Ludger Klein-Ridder, Nesrin Sayar, Ron Ferrier, Volker Zobel, Ingrid Müller, Staatssekretär Andreas Bothe

Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe: Die Preisträger 2017


 

Brinkmann, Barbara

Ein Besuch in lokalen Flüchtlingsunterkünften hat der ehemaligen Lehrerin und Schulleiterin gezeigt, dass die Menschen dort dringend Unterstützung und Ansprechpartner außerhalb der Verwaltung brauchten. Deshalb engagiert sie sich seit 2014 als ehrenamtliche Helferin. Sie begleitet Flüchtlinge zu Ärzten, zum BAMF, zur Krankenversicherung usw. Des Weiteren gibt sie ehrenamtlich mehrmals wöchentlich Deutschunterricht und erklärt wichtige grundlegende Dinge, wie Steuererklärungen oder das Schulsystem. Die gläubige Christin sieht sich in der Pflicht zu helfen und hat Sorge, dass ohne ehrenamtliche Helfer Integration nicht gelingt.

 

Ferrier, Ron

Ron Ferrier kam durch einen Informationsabend der Stadt Gütersloh mit Flüchtlingen und dem DRK in Kontakt. Schnell baute er engen Kontakt mit den „neuen Nachbarn“ auf, die in der nächsten Turnhalle (nur wenige Meter von seinem Haus entfernt) untergebracht waren, freundete sich an und zeigte ihnen die Stadt. Außerdem übernahm er die Betreuung des Ehrenamtshauses in der Parseval Siedlung (ehemalige Wohnsiedlung britischer Soldaten am Rande der Stadt, jetzt umfunktioniert in Flüchtlingswohnungen) und stattete Flüchtlinge mit gespendeten Möbeln, Spielzeug, Kleidung, etc. aus. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit anderen zu helfen. Dabei bekommt er Unterstützung durch seine Frau und auch viele Flüchtlinge, die gemeinsam mit anpacken.

 

Geißler, Monika

Monika Geißler setzt sich dafür ein, Flüchtlingen eine neue Heimat zu bieten und ihnen die hiesige Kultur näherzubringen: seien es Ausflüge und Spaziergänge, einfache Gespräche mit Flüchtlingen bei Kaffee und Kuchen, Ferienspiele für Kinder oder das gemeinsame Gartenprojekt in der Parseval Siedlung. Sie ermöglicht den Flüchtlingen diverse Freizeitbeschäftigungen und hilft ihnen, sich in Gütersloh einzuleben. Mit der Unterstützung des DRK steckt die Ehrenamtliche neben ihrem Beruf wöchentlich viele Stunden in die Flüchtlingsarbeit.

 

Holdijk, Otto

Der begeisterte Handwerker und Bastler Otto Holdijk (gesprochen Holdeik) verwertet alte gespendete Räder und macht diese wieder verkehrstauglich. Mit Tipps lokaler Fahrradwerkstätten und mehreren Stunden eigenem Zeitaufwand pro Rad ermöglicht er Flüchtlingen in Gütersloh mit dem Fahrrad mobil zu sein - was gerade für Schulkinder oder bei weiten Wegen zu Ämtern besonders wichtig ist.


Klein-Ridder, Ludger

Ludger Klein-Ridder ist seit den 80er Jahren in der Flüchtlingshilfe tätig. Er ist der Ansicht, dass allen Menschen die gleichen Rechte zustehen und es Ehrenamtliche benötigt, damit Flüchtlinge diese erfahren. Er sammelt die Schrottfahrräder für Herrn Holdijk und verteilt sie nach der Reparatur an Geflüchtete. Als Mitglied des AK Asyl und durch seine soziale Erziehung ist er engagierter Ehrenamtlicher und freut sich über das „doppelte Recycling“ der Fahrräder (Cycling=Radfahren).

 

Klinke, Ernst Johann

Ernst Johann Klinke ist seit 2012 unter dem Schwerpunkt Flüchtlingsarbeit für die Ev. Kirchengemeinde Gütersloh tätig und wurde zusätzlich Leiter des AK Asyl. Ihm ist es wichtig, dass auch die Flüchtlinge politisch vertreten werden, weshalb er auch Politiker ganz nah an die Flüchtlinge bringen will. Für den christlichen Europäer ist die Hilfe eine Selbstverständlichkeit, da seiner Meinung nach viele Menschen mit ihrem Handeln eine Mitverantwortung für die Flüchtlingskrise tragen. 

 

Meier, Elisabeth

Die ehem. Lehrerin engagiert sich seit Ende 2014 in der Flüchtlingshilfe. Mithilfe des AK Asyl gibt sie seit Januar 2015 regelmäßig ehrenamtlichen Sprachunterricht für Flüchtlinge und begleitet Flüchtlinge zu schwierigen Terminen, wie dem Jobcenter oder dem Krankenhaus. Ganz nach Gandhis Worten „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst“ engagiert sie sich teilweise sogar Vollzeit für Flüchtlinge und versucht, deren Lebenslage zu verbessern.

 

Müller, Ingrid

Ingrid Müller ist seit Herbst 2014 in der Flüchtlingshilfe tätig und hilft im AK Asyl sowie der Landeskirchlichen Gemeinschaft Gütersloh (LKG). Die Erzieherin übernimmt während der Sprachkurse die Kinderbetreuung, organisiert Möbel und hilft den Flüchtlingen bei persönlichen Problemen. Auch für sie ist helfen eine Selbstverständlichkeit und gerade die kleinen „Wunder“ zwischendurch spornen sie an weiter zu machen.

 

Poggenklaß, Ulrike

Seit Anfang 2016 ist Ulrike Poggenklaß in der Flüchtlingshilfe tätig. Sie sieht sich als Fürsprecherin der Flüchtlinge, denen sie hilft, gibt gleichzeitig Deutschunterricht und hilft ihnen als Berufsberatung, indem sie Praktika und Ausbildungen vermittelt. Sie wünscht sich eine weltoffenere Gesellschaft und hält gegenseitige Unterstützung für einen wichtigen Bestandteil.

 

Sayar, Nesrin           

Nesrin Sayar ist Dolmetscherin und Sportlerin. Als Deutschlehrerin für Flüchtlinge baute sie engen Kontakt zu ihnen auf, sodass sie anfingen, gemeinsam Sport zu treiben. Mithilfe von finanzieller Unterstützung ermöglicht sie Flüchtlingen ordentliches Sportequipment und bietet sportliche Aktivitäten rund ums Laufen. Das große Ziel der Gruppe ist der traditionelle Hermannslauf durch den Teutoburger Wald. Als Deutsch-Türkin will sie den Flüchtlingen helfen, so erfolgreich in Deutschland anzukommen, wie es ihr vor 31 Jahren ermöglicht wurde.

 

Zobel, Volker

Volker Zobel betreute 2015 zunächst Baumaßnahmen neuer Flüchtlingswohnungen und begleitet seit Januar 2016 drei Flüchtlingsfamilien. Die oftmals auf sich allein gestellten Familien haben ihn berührt und zum Ehrenamt bewegt. Er hilft ihnen bei Formalien, Arztbesuchen oder in der Schule. Außerdem erhalten die betreuten Flüchtlingsfamilien durch ihn Deutschnachhilfe.