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Gütersloh, 26.10.2014

Preis der Bürgerstiftung Gütersloh

Der Preis der Bürgerstiftung Gütersloh wird seit 1998 an Gütersloher Initiativen und Bürger verliehen, die sich vorbildhaft und tatkräftig für die Förderung und Wiederherstellung der Gemeinschaftsfähigkeit einsetzen. Honoriert werden die Preisträger für ihr außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, beispielhafte Ideen, Projekte und Vorhaben. Sie tragen zur Verbesserung des Zusammenlebens und der Lebensqualität in der Stadt Gütersloh bei und regen zur Nachahmung an.

Preisträger 2013

Medizinische Hilfe für Bedürftige

Ein Arzt öffnet die Tür zu seinem Behandlungszimmer und weiß, dass das keine normale Sprechstunde sein wird. Vor seiner Tür warten keine normalen Patienten. Dort sitzen Menschen, die der besonderen Fürsorge und Unterstützung bedürfen – und die am Ende nichts für diese Behandlung bezahlen werden. Es sind die Gäste der Gütersloher Suppenküche, die mehrmals im Monat von einem Team aus Ärzten und einer Zahnarztfachangestellten medizinisch versorgt werden – und das schon seit mehr als zehn Jahren. Für diesen ehrenamtlichen Einsatz wurde das Team am Donnerstag mit dem Preis der Bürgerstiftung 2013 geehrt, der mit 5.000 Euro dotiert ist. 

Oft nehmen sie nehmen einfach nur die kleinen Dinge in den Blick und behandeln eine Wunde, kurieren eine Infektion, sorgen sich um gut geputzte Zähne bei den Kindern. „In der Suppenküche Gütersloh geht es nicht nur darum, bedürftige Menschen satt zu machen“, sagt der Internist Friedemann Bohlen. „Es geht auch darum, ein medizinisches Zusatzangebot vorzuhalten.“ Zusammen mit seinen internistischen Kollegen Dr. Thomas Abeler, Dr. Wolfgang Schallenberg, der Zahnärztin Dr. Andrea Falticko und der Zahnarztfachangestellten Susanne Klasfauseweh stemmt das Team mehrmals im Monat diesen ehrenamtlichen Einsatz.

Die medizinische Versorgung läuft parallel zu den Öffnungszeiten der Gütersloher Suppenküche in der Kirchstraße in Gütersloh. In dem kleinen Behandlungszimmer der Ärzte und im Badezimmer nebenan werden aber nicht nur Krankheiten und Verletzungen behandelt.

„Wir wollen den Menschen helfen, den Wiederanschluss an das „normale“ medizinische Versorgungssystem zu finden“, sagt Bohlen. Seine zahnärztliche Kollegin Andrea Falticko ergänzt: „Es gibt hier Menschen, die durchs Netz fallen – egal ob Menschen mit schwierigem sozialem Umfeld oder Migrationshintergrund. Die schaffen es häufig nicht, alleine über die Schwelle zum Arzt oder Zahnarzt zu gehen.“

Zeit für Gespräche, Orientierung und Motivation – das gehört mit zur Aufgabe des medizinischen Teams. „Die Bürgerstiftung Gütersloh möchte diese engagierte Arbeit mit der Verleihung seines Ehrenamtspreises 2013 würdigen und unterstützen, weil sie Menschen in den Blick nimmt, die am Rand unserer Gesellschaft stehen“, sagte Werner Gehring, Kuratoriumsvorsitzender der Bürgerstiftung Gütersloh. „Mit unserer Stiftungsarbeit möchten wir das Thema Ehrenamt stärken. Ebenso gehört es zu unserem Auftrag, Projekte aus dem Themenbereich Gesundheit zu fördern. Darum freuen wir uns sehr, diese ehrenamtlichen Mediziner und Fachkräfte zu ehren.“

Bei der feierlichen Preisverleihung in der Stadthalle Gütersloh würdigte die Bielefelder Ärztin Barbara Kroll mit ihrer Laudatio die Arbeit des Teams. Auch sie setzt sich für Patienten ein, die nicht zwangsläufig ihren Weg zum Arzt finden – sie behandelt ihre Patienten auch an Treffpunkten für Obdachlose oder fährt mit ihrem Ambulanzwagen zu Notunterkünften. „Menschen müssen wissen, wie das Gesundheits-System funktioniert – und das ist nicht immer der Fall“, sagt Barbara Kroll. „Hier bedarf es Ärzte, die über den reinen Behandlungsauftrag hinaus Menschen in die Lage versetzen, ihre Rechte wahrzunehmen – also Ärzte, die aufklären und informieren. Ärzte, die die Lebenssituation z.B. von wohnungslosen Menschen kennen.“ 

Dieses alles leiste das normale medizinische Regelsystem nicht, sagt Kroll. „Hier sind genau die Ärzte gefragt, wie die, die sich an der Gütersloher Suppenküche engagieren. Aber eigentlich wünsche ich mir, dass dieses Angebot Bestandteil des Regelsystems wird.“ Nicht die Menschen müssten an das Regelsystem angepasst werden, sondern das medizinische Regelsystem müsse sich an die Menschen anpassen.

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Entstanden ist das Angebot der medizinischen Versorgung im Rahmen der Suppenküche im Jahr 2002 mit einem Projekt der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Gütersloh. Dieses Angebot ist für alle Gäste der Suppenküche kostenlos. „Das Selbstverständnis des medizinischen Teams beeindruckt sehr“, sagte Brigitte Büscher, Sprecherin der Bürgerstiftung. „Ich habe das Team Medizinische Versorgung besucht in seinen Behandlungsräumen gleich neben der Suppenküche. Die Atmosphäre ist fröhlich und anpackend: Mut machen, Brücken bauen, begleiten – das ist der Kern seiner Arbeit.“ Das Preisgeld der Bürgerstiftung in Höhe von 5.000 Euro wird das Team für die Verbesserung der medizinischen Ausstattung verwenden.

Foto: Thomas Kunsch

Friedemann Bohlen, Brigitte Büscher, Dr. Andrea Falticko, Susanne Klasfauseweh, Dr. Thomas Abeler, Dr. Wolfgang Schallenberg, Werner Gehring