Bürgerstiftung Gütersloh.
Von Bürgern – Für Bürger.

BürgerPreis geht an die Biker mit dem großen Herzen

Sie kommen auf schweren Maschinen herangebraust. Alltagshelden in Lederkluft, nicht im Superman-Kostüm. Das benötigen sie auch nicht, um Gutes zu tun - diese leidenschaftliche Biker, die mit und in ihrer Art nicht nur Vorurteile sprengen, sondern auch ganz unbürokratisch und zupackend Kindern und Jugendlichen aus sozialschwachen Familien helfen. Physisch wie psychisch, so begeistert wie vorbildlich. Deshalb hat die Bürgerstiftung Gütersloh jetzt den seit 2019 ortsansässigen Motorradverein „Urban Bulldogs Against Kids Abuse“ - kurz U.B.A.K.A Ostwestfalen -, mit dem BürgerPreis 2025, ihrem mit 5000 Euro dotierten Engagementpreis, ausgezeichnet   

In einer kurzweiligen, musikalisch bestens vom Markus-Strothmann-Trio umrahmten Feierstunde in der Weberei, überreichten der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Dr. Reinhard Zinkann, und die Vorstandsvorsitzende Katrin Meyer den gläsernen Award samt Urkunde - und einem mit einer Bulldogge geschmückten Blumenstrauß - an U.B.A.K.A. Dessen Präsident Maik „Grandpa“ Dreisvogt und Klaus „Kloes“ Meyer nahmen die Auszeichnung freudestrahlend im Namen aller Vereinsmitglieder entgegen. „Gemeinwohl“, erklärte Dr. Zinkann die Jury-Entscheidung, „entsteht immer dort, wo Bürgerinnen und Bürger füreinander Verantwortung übernehmen. Wo sich helfende Hände finden, die anpacken, Ideen umsetzen und Brücken bauen. Wo das uneigennützige Engagement Einzelner die Lebensbedingungen Anderer und damit auch unsere Gesellschaft verbessert.“

„Hätte man mir vor sechs Jahren erzählt, dass ich heute hier stehe und einen so bedeutenden Engagementpreis für uns, die Urban Bulldogs, die Kuttenträger, entgegennehme, dann hätte ich wahrscheinlich laut und ungläubig gelacht“, sagte Maik Dreisvogt. Er bedankte sich nicht nur bei der Bürgerstiftung für die damit einhergehende Anerkennung und Wertschätzung, sondern auch beim Schirmherrn des Vereins, Dr. Khalil Lafta, bei allen Sach- und Geldspendern, und vor allem bei den aktuell 20 Männern und Frauen, die als Mitglieder alles tun, um Kinder glücklich zu machen. „Unser Versprechen an die Kids, sie zu unterstützen und zu fördern, ist für uns als Biker Gesetz.“

„So hart und kantig der Name der Urban Bulldogs auch klingen mag, so herzlich, vertrauensvoll, verbindlich und vor allem nachhaltig wirksam ist ihr Umgang mit den Kindern“, brachte es der Bielefelder Journalist Jens Stratmann als Laudator auf den Punkt.  U.B.A.K.A würde ihnen Mut machen und sie stärken, in dem sie vorlebten, was Respekt und Loyalität bedeute. Die Vereinsmitglieder bewiesen, dass Solidarität mit den Schwächsten auch in unserer heutigen Gesellschaft gelebte Realität sein kann.

Ob Baby-Erstausstattungen für bedürftige junge Familien oder das alljährliche große Kids-Sommercamp, ob gemeinsame Ausflüge und Kinobesuche für diejenigen, die sich das sonst nicht leisten könnten, oder aber eine individuelle Unterstützung, wenn das Fahrrad, Bett oder der Schulranzen kaputt ist und das Kinderzimmer dringend mal einen neuen Anstrich braucht: die Ubakas packen an und machen Teilhabe möglich, um soziale Ausgrenzung zu vermeiden. Viele betroffene Familien rufen direkt an oder kommen ins immer dienstags von18 bis 20 Uhr geöffnete Vereinsbüro an der Elisabethstraße 6.  „Wir sind stolz auf unser tragfähiges Kooperations-Netzwerk. Darauf, dass wir von der Tafel und der Kindersuppenküche, vom St.-Elisabeth-Hospital, den Kirchen, der Caritas, den Johannitern oder auch vom Jugendamt als Teil des Sozialkreises Innenstadt immer wieder als Ansprechpartner empfohlen werden und mit ihnen zusammenarbeiten können“, betont Maik Dreisvogt.

Wird Hilfe gebraucht, fahren die Ubakas los und schauen sich die Situation vor Ort an – immer mit besonderem Augenmerk auf die Bedürfnisse der Kinder und in Absprache mit den Eltern. Jedes Kind wird offiziell in den Verein aufgenommen, und bekommt - außer einem Hoodie mit Bulldog-Patch als Mitgliedskluft - zwei Paten, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Selbst, wenn uns ein Kind aus dem Krankenhaus anruft, weil es Angst vor einer OP hat, oder in der Schule gemobbt wird - wir nehmen die Sorgen und Nöte ernst und versuchen Abhilfe zu schaffen“, sagt Dreisvogt.  Nicht von ungefähr haben sich gerade zwölf Vereinsmitglieder im Bereich Mobbingprävention ausbilden lassen, „um auch hier fachlich versiert helfen zu können.“ Und was wünschen sich die Urban Bulldogs? Einen Bulli zum Transport von Sachspenden und gern auch weitere Manpower. Damit auch künftig das Motto greift: Man muss nicht die ganze Welt retten, um die Welt zu verbessern. Es reicht, die Welt eines einzelnen Kindes zu verändern. 

 

Hintergrund: 

U.B.A.K.A (Urban Bulldogs Against Kids Abuse) wurde 2012 in Frankreich vom Urban-Bulldog-Motorradclub-Chef Thierry MacDouglas gegründet. Damals mit dem Ziel, missbrauchten Kindern zu helfen. Mittlerweile gibt es Ableger in vielen Ländern, darunter in den USA, Mexiko, England, Kanada, Schweden und Deutschland, wobei jeder Club sich eigene Ziele zur Unterstützung von Kindern setzen kann.  Die 2019 in Gütersloh gegründete Urban Bulldogs haben sich für die Förderung und Stärkung von Kindern aus sozial schwachen Familien entschieden. „Das Thema missbrauchter Kinder ist viel zu schwerwiegend, davor haben wir einen viel zu großen Respekt, als dass wir da als Laien einfach so einsteigen würden“, erklärt Clubpräsident Maik „Grandpa“ Dreisvogt.

 Wer bei den Gütersloher Bulldogs, die nahezu paritätisch mit Männern und Frauen besetzt sind, mitmachen möchte, benötigt ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis. Und nur eingetragene Mitglieder, die mindestens ein Jahr lang bewiesen haben, dass sie die Biker-Gesetzmäßigkeiten wie Respekt, Ehre und Loyalität leben und genug Energie mitbringen, um den Kindern zuverlässig und auf Dauer zur Seite zu stehen, können Pate werden. Aktuell werden 37 Kinder, überwiegend in Gütersloh, aber auch darüber hinaus im Kreis betreut.

Der Verein finanziert sich ausschließlich über Spenden. Die Mitglieder freuen sich zudem über Kooperationspartner, die ihnen zum Beispiel benötigte Kindermöbel oder -räder zum Einkaufspreis ermöglichen.