Bürgerstiftung Gütersloh.
Von Bürgern – Für Bürger.

Gütersloh – Was heißt hier schon normal?

„Jeder ist anders, und keiner ist gleich. Wir sind verschieden und das macht uns reich!“ Nicht nur der finale Song aus Gudrun Elpert-Reschs neuer Rock-Oper „Gütersloh – Was heißt hier schon normal?“ verweist auf die Wichtigkeit von Diversität und einem guten Miteinander. Genau das herrscht bei dem mit großer Begeisterung schauspielenden, singenden und tanzenden Laien-Ensemble, das unterm Dach des Vereins Fairleben eine Heimat gefunden hat, - und dessen Mitglieder zwischen 6 und 84 Jahren der Premiere am Samstag, 14. Februar, entgegenfiebern. „Die Bürgerstiftung unterstützt dieses Projekt gern mit 3.000 Euro, weil hier die integrative Kraft der Musik und das gemeinsame Spiel mit offensichtlicher Freude generationsübergreifend gelebt werden“, erklärte Vorstandsmitglied Doris Pieper jetzt bei einem Probenbesuch.

Erzählt wird eine ebenso unterhaltsame wie nachdenklich stimmende, zweigeteilte Geschichte, deren Libretto und Komposition aus der Feder von Opern-, Oratorien- und Liedsängerin Gudrun Elpert Resch stammen. So wandelt sie zunächst auf den Spuren ihrer Kindheit – damals, als der Anstaltspark der Westfälischen Klinik für Psychiatrie ihre Spielwiese war. Denn beide Großväter arbeiteten dort – der eine als Pfleger, der andere als Gutsverwalter. So kam es, dass sie die Patienten, denen sie begegnete, als völlig normal erlebte – und sich fragte, ob die Menschen außerhalb der Klinik wohl auch so normal wären. Als Professor Klaus Dörner 1980 die Anstaltsleitung übernahm, besuchte Elpert-Resch das Städtische Gymnasium, engagierte sich innerhalb eines Schulprojekts in einer geriatrischen Station der Klinik und erlebte die bahnbrechenden Veränderungen in der Psychiatrie hautnah mit. Der zweite Teil der Geschichte spielt in der Gegenwart, wo sich ehemalige Ärzte und Patienten im „Café zum rosa Kadadu“ treffen. Überraschungen sind da vorprogrammiert.

Seit Monaten wird eifrig an diesem Stück gearbeitet. Regie führt Gabi Neumann. Ihre Tochter Lilli zeichnet für Choreografie und Bühnenbild verantwortlich, Dr. Franz Jungbluth hat die wissenschaftliche Begleitung der historischen Fakten übernommen. Frank Salomon-Neumann ist fürs Rollencoaching zuständig. Nicole und Moritz Ritschel an Keyboard, Schlagzeug und Cajun sind nicht nur temperamentvolle musikalische Begleiter und Unterstützer der munteren Bühnenschar, sondern auch noch stolze Eltern der jüngsten Mitglieder: Paula und Frieda, die mit bewundernswertem Selbstbewusstsein und glockenhellen Stimmen ins Rampenlicht treten.

Mit großer Wertschätzung wird von allen attestiert, was der Einzelne an Talent und Fähigkeit zu bieten hat. Und dabei ist es egal, ob es um die erst 14-jährige Sopranistin und Jugend-musiziert-Preisträgerin Melody Schneider geht, die sich als Jungstudentin an der Detmolder Musikhochschule gerade ein Stipendium ersungen hat, oder um die 84-jährige Hiltrud, die schon seit elf Jahren immer wieder bei den Projekten von Gudrun Elpert-Resch mitmacht. „Das hält jung und fit.“  Und dass die Rock-Oper auch integrativ ist, lässt sich sowohl an dem seit 2022 in Gütersloh lebenden Franzosen Serge ablesen als auch an der seit einem Jahr hier beheimateten syrischen Architektin Media. „Ich habe in diesem Ensemble nicht nur Deutsch gelernt, sondern auch eine emotionale Familie gefunden“, bringt sie es wohl für beide auf den Punkt. Man darf gespannt sein auf die Premiere am Valentinstag. Die Macher hoffen auf weitere Aufführungsmöglichkeiten. Fest steht bereits ein Auftritt zum Weltseniorentag am 10. Oktober.