Die nächste Sitzung steht bevor: Im März berät der Kinder- und Jugendbeirat (KiJu) der Bürgerstiftung über die neu eingegangenen Anträge. Das engagierte Gremium kann bislang auf viele erfolgreich geförderte Projekte zurückblicken. Darunter waren im vergangenen Jahr zum Beispiel das Soulmobil und ein schulisches Angebot zur Lebensorientierung.
Seit 2024 hat der Verein "Soulbuddies", ein multiprofessionelles, ehrenamtliches Team, das kostenfreie und niedrigschwellige Beratungsangebote für psychisch belastete junge Menschen anbietet, eine mobile offene Sprechstunde in ihrem Soulmobil eingerichet. Damit fahren die Soulbuddies seitdem dorthin, wo räumlich wie emotional ihre Hilfe benötigt wird. Der KiJu hat dieses Angebot im vergangenen Jahr mit 1300 Euro gefördert, damit vor allem betroffene Jugendliche im ländlichen Raum davon profitieren können. Denn soziale Ängste, depressive Erschöpfung oder auch Traumafolgen führen oft dazu, das die belasteten Kinder und Jugendlichen gar nicht in der Lage sind, das Haus ohne Unterstützung ihrer Eltern zu verlassen oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, um zum Beispiel die festen Sprechstunden der Soulbuddies im Gütersloher Wasserturm, den ihnen die Bürgerstiftung zur Verfügung stellt, zu besuchen. Da ist das Soulmobil ein echter Gewinn.
Insgesamt wurden 2025 von den Soulbuddies 750 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unterstützt. Es fanden 365 Kurzberatungen statt, aber auch Direktvermittlungen in das hauptamtliche Versorgungssystem. 192 erhielten langfristige Unterstützungen. 43 Prozent dieser Ratsuchenden stabilisierten sich psychisch, 52 Prozent wurden betreut, bis sie einen notwendigen ambulanten oder stationären Behandlungsplatz erhielten. 5 Prozent brachen ab. Die mobile Sprechstunde steht für Selbstbestimmung, Teilhabe, Schutz und Orientierung und verwirklicht damit zentrale KInderrechte - unabhängig von Einkommen, Herkunft oder Versorgungslage.
Mit rund 1000 Euro hat der Kinder- und Jugendbeirat zudem das Projekt "Lebensorientierung" der Anne-Frank-Schule gefördert. Damit wurden den Schüler*innen der Jahrgänge 8 bis 10 praktische Fähigkeiten zur Alltagsbewältigung vermittelt.
Ist der Brief richtig adressiert und frankiert? Wie finde ich mich in meiner oder auch in einer fremden Stadt zurecht? Wie bekommt man Lebenspraxis? Vom Mobilitätstraining anhand von Fahrkartenbuchung, Fahrplan- und Bahnnutzung sowie dem Auffinden besonderer Adressen bis hin zum Einkauf gesunder Lebensmittel und deren Zubereitung spannte sich der Bogen. Dabei wurden Team- und Kommunikationsfähigkeit ebenso gefördert wie Alltagskompetenzen entwickelt. Mit einem abschließenden Workshop im Theater Gütersloh konnten die oft unsicheren und über geringes Selbstbewusstsein verfügenden Schüler*innen ihre Selbstwahrnehmung und ihr Auftreten überprüfen und dadurch ihre Persönlichkeit stärken. Die Bilanz aller Beteiligten: Es wurde nicht nur die Notwendigkeit sichtbar, lebensnahe Lernsituationen zu schaffen, um Schüler*innen entsprechend praxisnahe Erfahrungen machen zu lassen, sondern ihre Teilhabe am Leben wurde gestärkt.
