Das Stimmungsbarometer zeigt ein langanhaltendes Hoch. „Ich habe gute Laune“ markiert Besan. „Ich habe viel Spaß“ tippt Elisa an und Evelyn ist einfach nur „glücklich“. Keine Frage, die drei Mädchen genießen ihre Deutschsommer-AG. Sie gehören zu den 19 Dritt- und Viertklässlern aus zehn Nationen, die aktuell sowohl in der Gütersloher Blücherschule als auch in der Grundschule am Neißeweg das vom Kreissportbund (KSB) organisierte, neu konzeptionierte Sprachförderangebot nutzen. Maßgeblich finanziert von der Bürgerstiftung Gütersloh und der Reinhard-Mohn-Stiftung, in Kooperation mit dem Theaterförderverein und dem Projekt „Lies mit“, werden die teilnehmenden Kinder auf vielfältige Art in ihrer Sprachkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung gestärkt.
„Das Angebot umfasst zehn, jeweils eineinhalbstündige AG-Termine vor und vier nach Ostern “, erklärt KSB-Geschäftsführer Lukas Meiertoberens. Dazwischen, in der ersten Osterferienwoche, fahren die Schüler zusammen mit ihren (theater-)pädagogischen Betreuern für fünf Tage ins Kloster Wiedenbrück, wo sie das zuvor Gelernte in der Gemeinschaft intensivieren können. Am Ende steht eine Theateraufführung. Denn beim Deutschsommer dreht sich diesmal alles um die „Abenteuer im Lichterland“, dort wo Kerzenkobolde, Nachtelfen und Schattenbeißer im Glimmerwald wohnen. Die Schüler lesen die Geschichten und erarbeiten unter kompetenter Anleitung von Theaterpädagogin Michaela Dolencic sowie Julia Dörk, Pädagogin für Deutsch als Zweitsprache, eine Bühnenfassung, die sie am 1. April im Kloster stolz ihren Eltern präsentieren werden.
„Die AG ist sowohl für Kinder mit Migrationshintergrund, die noch Defizite in der deutschen Sprache haben, aber auch für jene, die in einem Umfeld mit wenigen Bildungs-Anregungen leben, ein Gewinn“, ist sich Projektleiter Nils Großerohde vom Kreissportbund sicher. „Durch die kreativen und spielerischen Möglichkeiten werden die Hemmschwellen, Deutsch zu sprechen, abgebaut.“ Der Erfolg wird am Ende unter anderem durch ein Lesescreening, das die Entwicklung der basalen Lesefähigkeit und des individuellen Sprachverständnisses misst, festgehalten.
„Dieses Komplettpaket hilft, der Bildungs- und Chancen-Ungleichheit von Kindern entgegenzuwirken“, erklärt Doris Pieper, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung, deren Unterstützung. Und Martin Spilker vom Theaterförderverein ergänzt: „Wo Kinder Theater spielen, lernen sie nicht nur Worte und sich mitzuteilen, sondern auch Werte wie Haltung, Mut, Toleranz und Gemeinschaft.“
Regina Strüwer, stellvertretende Leiterin der Schule am Neißeweg, freut sich, dass die Neukonzeption des ursprünglich von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt entwickelten Deutschsommers nun in Form einer AG als Pilotprojekt in ihrer Einrichtung stattfindet. „Es ist eine echte Win-Win-Situation für alle Teilnehmenden: Die Kinder kommen über gemeinsames Handeln und Erleben in einen sprachfördernden Kontakt. Die Eltern werden durch einen Requisiten-Bastelnachmittag mit eingebunden. Und die Schule hat keinen Mehraufwand. Denn montags finden ohnehin verschiedene AGs statt. Durch den Kreissportbund als Kooperationspartner kommt aber außerschulische Qualität hinzu.“ Genau das sei wichtig für ein zeitgemäßes Schulverständnis. Denn: „Schule sollte nicht nur ein Ort sein, an dem Kinder Schreiben und Rechnen lernen, sondern sie vor allem entdecken lassen, was alles in ihnen steckt, ihre Begeisterungsfähigkeit fürs Lernen auch jenseits klassischer Unterrichtsfächer wecken.“ Nicht von ungefähr hofft Regina Strüwer auf eine langfristige Weiterführung des Angebots.
