„Ich will keine Monster erschaffen. Im Gegenteil, mir geht es um die Ästhetik des Schattens. Er birgt Geheimnisse, hat Tiefe und Schönheit. Das alles sind potenzielle Projektionsflächen, aus denen ganz eigene Gedankenwelten erwachsen.“ Martina Lückeners Auftritt bei der diesjährigen Langenachtderkunst wirft seine Schatten voraus. Die Künstlerin aus Münster ist der Einladung der Bürgerstiftung Gütersloh gefolgt und präsentiert zusammen mit Benedikt Burghoff ab Samstag, 16. Mai, 19.00 Uhr, Am Alten Kirchplatz 12, beeindruckende Schattenwelten. Die kunstaffinen Nachtschwärmer dürfen gespannt sein auf die filigranen Papierschnitte im Klein- und Großformat sowie auf die abstrahierten Monotypien des Paares.
Der Schatten gilt als Urform der Kunst. Er ist der Beweis für reale Existenzen und symbolisiert gleichzeitig deren Verlöschen. Im Schatten berühren sich die Wirklichkeit und das Nichtfassbare. Ein ideales Experimentierfeld für das Künstlerpaar. Die bereits mehrfach ausgezeichnete Martina Lückener, die Freie Kunst an der Kunstakademie Münster studierte – wo sie seit 2020 auch doziert -, setzt dabei auf Verfremdung. Auf die natürliche, die sich ergibt, wenn Licht auf eine Figur oder ein Objekt fällt und eine oftmals bizarre Kontur an die Wand oder auf den Boden wirft. So wie das bei ihrer Radfahrenden Schwester war, deren Schattenwurf zur Initialzündung für das breitgefächerte Schaffen der Künstlerin wurde. Es gibt aber auch die konstruktive, memorable Form der Verfremdung. Ihr huldigt das Paar, wenn es Schattenformen bewusst auf eine stringente, klare Bildsprache reduziert, um Tiefenwirkung, Mystik und Bewegung zu betonen. Oder aber, um die offensichtliche Form inspirativ weiterzuentwickeln. So wirft beispielsweise der Schatten einer Don-Quichote-Skulptur Fragen nach den wahren Werten des Menschseins auf. Und beim Blick auf die filigranen Tanzfigurinen überlegt man unweigerlich, wer da gerade wen bewegt.
„Kunst findet immer im Inneren statt. Wenn die Form stimmt, dann wirkt auch deren Ästhetik. Und es bleibt nicht nur bei dem, was man auf den ersten Blick sieht. Kunst offenbart neue Sichtweisen“, ist sich Martina Lückener mit Benedikt Burghoff einig. Der kam nach seinem Deutsch- und Geschichtsstudium über die Fotografie und Dokumentation zur freien Kunst. Gemeinsam klopft das Paar heute seine Projektideen für den Ausstellungsbetrieb im In- und Ausland ebenso wie für Kunstaufträge im öffentlichen Raum auf ihre Umsetzbarkeit ab. Jeder recherchiert zunächst für sich, die Realisierung erfolgt als Teamwork. „Weil wir beide uns schnell langweilen, entwickeln wir ständig etwas Neues“, gesteht das Paar lachend. Und immer im Bewusstsein, dass jeder Schnitt unumkehrbar ist.
Die „Schatten“ sind nach der Langenachtderkunst noch bis zum 14. Juni (nach vorheriger Absprache unter 05241/97130) in der Bürgerstiftung Gütersloh zu sehen.
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Faszinierende Schattenwelten: Martina Lückener stellt zusammen mit Benedikt Burghoff zur Langenachtderkunst in der Gütersloher Bürgerstiftung aus.
