Bürgerstiftung Gütersloh.
Von Bürgern – Für Bürger.

Begegnungen der besonderen Art

Sie hat schon tausende von Kilometern auf ihrem ureigensten Kunstprojekt zurückgelegt: Nirgül Kantar-Dreesbeimdieke, quecksilbrige, überaus ideenreiche, motivierende, allen Widrigkeiten trotzende Performancekünstlerin aus Isselhorst hat sich mit ihrem seit 2023 laufenden soziokulturellen Projekt "Europas Künstlerweg" auf internationaler Ebene längst einen Namen als europäische Brückenbauerin der besonderen Art gemacht. Wie intensiv und eindrucksvoll das von ihr geschaffene Netzwerk mit Künstlern aus Ost und West, Nord und Süd mittlerweile ist, zeigte sich erst jüngst wieder bei der heimischen Aktion "Kunst im Schwebezustand" und vor allem, als der norwegische Künstler Björn Venø bei ihr zu Gast in Isselhorst war.

Vor zwei Jahren hatte Nirgül ihn bei ihrem Weg durch Skandinavien in Norwegen kennengelernt. Er bezeichnet sich selbst als Arthemist, als Mischung aus Künstler und Philosoph, der mit Fotografie (Masterstudium am Royal College of Art), Video, Performance, Schreiben, Zeichnen und Musik Themen wie Energie und Identität, Geschlecht und Metaphysik zu erkunden versucht. Wichtig ist ihm dabei nicht die Perfektion, sondern ihm geht es viel mehr darum, das menschliche Scheitern als Chance zu durchleuchten. Das gelingt ihm durch außerordentliche Naturerfahrungen, an denen er Nirgül bei ihrem Besuch teilhaben ließ - in dem er sie mitnahm in eiskaltes Fjordwasser (Bild oben links). 

Als er jetzt ihrer Einladung nach Isselhorst folgte, um eine Woche als "artist in residence" dort seine Kunst zu zeigen, ermöglichte ihm die agile Künstlerin - gefördert von der Bürgerstiftung Gütersloh - eine Performance im Garten des Meierhofs Mumperow. Den verwandelte Venø vor staunendem Publikum in eine Erlebniswelt der Elemente, der Stille und intensiven Begegnung. Venøs Performancekunst lebt vom Spiel mit der Natur, vom Dasein, das ihn umgibt und auch von den Menschen, die sich seiner Anziehungskraft kaum entziehen können.

Das schafft besondere Energiefelder, die Nirgül nur zu gut nachempfinden kann und die sie bereitwillig mit allen teilt, die ihr offen begegnen. Ihr "Künstlerweg" ist ein Projekt, das Menschen und Kulturen über alle Grenzen hinweg verbindet, das Verständnis füreinander weckt und jeden - ob des Umfangs und der gelebten Vielfalt - staunen lässt. Nicht von ungefähr hat Nirgül in der EU-Kommissarin und Ersten Vizepräsidentin des Europaparlaments, Sabine Verheyen, eine starke Unterstützerin, und wird mit Mitteln des EU-Kulturfonds im Großen sowie von der Bürgerstiftung Gütersloh vor Ort gefördert. Wofür sich die Künstlerin bei einer Stippvisite kürzlich herzlich bei Stiftungs-Geschäftsführerin Nina Spallek bedankte.

In diesem Jahr konzentriert sich Nirgül darauf, teilnehmende Künstler ihres Projekts aus ganz Europa in Isselhorst zu präsentieren. Dabei ist ihr wichtig, die Werte zu vermitteln, die für sie Initialzündung und zugleich Ziel ihres Mammutprojekts sind: Frieden, Inklusion und ein Europa, das jeder durch Kunst auf Augenhöhe erleben kann. „Denn Europa beginnt nicht in großen Sitzungssälen", ist Nirgül überzeugt. "Europa beginnt dort, wo Menschen sich begegnen.“ Und genau dafür sorgt sie. Davon profitiert aktuell Mehmet Şekercileroglu, Schulleiter der Necdet Islar Grundschule aus der türkischen Provinz Sakarya, der ihr Gast ist. Er nimmt am Europäischen Kultur- und Bildungsaustausch teil, erhält bei Nirgül Einblicke in die internationale Projektarbeit. Zudem hat er Schulen und Bildungseinrichtungen vor Ort kennengelernt. Ob und welche Kooperationen daraus erwachsen, wird sich zeigen. Synergien zu schaffen, Menschen miteinander zu verbinden, Ideen Realität werden lassen - dafür steht Nirgül. Und wer sie kennt, weiß, dass sie immer für eine Überraschung gut ist.