Bürgerstiftung Gütersloh.
Von Bürgern – Für Bürger.

Hier lernen Zwei- von und mit Vierbeinern

„Am liebsten würde ich ihm einen Kuss geben.“ Es ist offensichtlich: Nicht nur Lina-Marie schwärmt für Monte, auch Alicia, Malina, Liam und Leon finden ihn toll. Und das, obwohl sie ihn kaum zwei Stunden kennen. Der siebenjährige Lagotto Romangnola-Rüde mit dem grau-braun gesprenkelten Wuschelfell ist mit seinem Frauchen Kathrin Delatour im Rahmen eines sogenannten tiergestützten Therapieangebots in der Kita Auerhahnstraße zu Gast. Möglich macht das der unter dem Dach der Bürgerstiftung Gütersloh befindliche Gütersloher Bildungsfonds. „Dieses Projekt unterstützt Kinder nachweislich auf ganzheitliche und empathische Weise in ihrer Entwicklung. Das fördern wir gern“, erklärt Bildungsfonds-Leiter Ingo Kleinebekel. Bislang schon in drei städtischen Kindertageseinrichtungen.

 

Jeweils über fünf Wochen verteilt, kommt die zertifizierte Therapiehundebegleiterin einmal pro Woche mit Monte in die jeweilige Einrichtung, wo eine Gruppe von maximal sechs Kindern auf die beiden wartet. „Es sind vor allem die sonst eher stillen und zurückhaltenden Kinder, die in ihrer Sozialkompetenz Unterstützung benötigen, für die dieses besondere pädagogische Angebot gedacht ist. Aber auch für diejenigen, die sprachliche Förderung brauchen oder die von zuhause aus nicht an allem teilnehmen können“, sagt Marita Berendes, Leiterin der Kita Auerhahnstraße.

So aufgeregt wie fröhlich fiebern die Kleinen der Begegnung mit dem Vierbeiner entgegen. Seelenruhig lässt er sich – immer unter den wachsamen Augen von Kathrin Delatour - von ihnen streicheln, geht mit ihnen durch einen Parcours, schaut aufmerksam zu, wenn sie ihm ein Ruherevier einrichten, macht es sich entspannt zwischen ihnen auf der Matte bequem, wenn sie dort Memory spielen, oder macht vorbildlich „Sitz“, wenn sein Frauchen etwas über Körperbau und Verhaltensweisen von Hunden erzählt. Spielen und lernen – beides zählt.

Und wie selbstverständlich greift die ein oder andere Kinderhand dabei ins Fell des Rüden, rücken die Kleinen wie von selbst näher an ihn heran oder lehnen sich vertrauensvoll an das Tier an. Keine Spur mehr von Angst. Vorbei die Zurückhaltung. Da wird munter miteinander besprochen, was der Hund wohl gerade denkt, was er sicher kann oder was man zusammen alles an Abenteuern mit ihm erleben möchte.

„Unsere Erfahrungen mit tiergestützten pädagogischen Angeboten sind durchweg positiv“, betont Bettina Kirchener vom städtischen Fachbereich Tagesbetreuung von Kindern und zuständige Fachberaterin für die Elementarpädagogik. „Die Kinder erfahren eine ungemeine emotionale Stärkung, werden vielschichtig in ihrer Wahrnehmung geschult, lernen Neues und auch Rücksicht aufeinander sowie auf das Tier zu nehmen.“ Und viele, die reizüberflutet sind, kommen in Anwesenheit des Hundes zur Ruhe. „Monte ist ein Stressminderer“, bestätigt Kathrin Delatour. „Und was für die Kinder ganz wichtig ist: Sie erleben durch ihn eine wertfreie Begegnung. Jedes Kind fühlt sich von ihm so angenommen, wie es ist. Das stärkt ihr Selbstbewusstsein.“ Kein Wunder, dass das mit einem Kuss belohnt werden soll. Aber das gehört - nicht nur aus hygienischen Gründen - nicht zum Programm.