Bürgerstiftung Gütersloh.
Von Bürgern – Für Bürger.

Preis der Bürgerstiftung Gütersloh

Der Preis der Bürgerstiftung Gütersloh wird seit 1998 an Gütersloher Initiativen und Bürger verliehen, die sich vorbildhaft und tatkräftig für die Förderung und Wiederherstellung der Gemeinschaftsfähigkeit einsetzen. Honoriert werden die Preisträger für ihr außergewöhnliches ehrenamtliches Engagement, beispielhafte Ideen, Projekte und Vorhaben. Sie tragen zur Verbesserung des Zusammenlebens und der Lebensqualität in der Stadt Gütersloh bei und regen zur Nachahmung an.

 

 

Gelebte Gemeinschaft in Gütersloh

Bürgerstiftung Gütersloh verleiht den „Preis der Bürgerstiftung 2021“ an die Vesperkirche Gütersloh

Hier wird nichts an den Nagel gehängt. Weder Suppenkellen noch Schürzen und schon gar nicht Motivation und Engagement. Im Gegenteil: All das kommt zum Einsatz, wenn die Vesperkirche ihre Türen öffnet. Seit 2018 organisiert ein zehnköpfigen Team um Dr. Nils Wigginghaus und Pfarrer Stefan Salzmann Begegnungen zwischen Jung und Alt, zwischen gut Situierten und an den Rand Gedrängten, zwischen Alteingesessenen und Neubürgern bei einem kostenlosen, warmen Mittagessen unter dem Dach der Martin-Luther-Kirche. Dieses Team und seine Idee stehen für gegenseitigen Respekt, für Wertschätzung und gelebte Gemeinschaft. Im Jahr ihres 25jährigen Jubiläums hat die Bürgerstiftung Gütersloh auf einem besonderen Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Ehrengast dieses Engagement mit ihrem mit 5.000 Euro dotierten Ehrenamtspreis ausgezeichnet.

„Dem Team der Vesperkirche gelingt es jedes Jahr, sehr viele Ehrenamtliche in unserer Stadt zu mobilisieren und unterschiedliche Menschen zusammenzuführen. Herkunft, Alter, Bildungsstand und Religion spielen dabei keine Rolle“, erklärt Kuratoriumsvorsitzernder Dr. Ernst Wolf. „Selbst zu Zeiten von Corona, als die Kirche sich nicht zum Miteinander öffnen durfte, zeigte sich die Organisatoren kreativ: Die Menschen konnten sich am eigens gebastelten, draußen aufgestellten Regal Suppe in Weckgläsern abholen.“ Die Vesperkirche setze ein deutliches Zeichen gegen die fortschreitende soziale Trennung innerhalb der Stadtgesellschaft sagte der Vorsitzende des Kuratoriums bei der festlichen Preisverleihung im Theater Gütersloh.

 

 

 

 

Die Bürgerstiftung Gütersloh feiert in diesem Jahr ihr 25jähriges Bestehen und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte als Ehrengast die Arbeit von Deutschlands ältester Bürgerstiftung.„Die Vesperkirche ist ein beeindruckendes Projekt von Gütersloher Bürgerinnen und Bürgern - für Gütersloher Bürgerinnen und Bürger. Und das haben wir bei der Bürgerstiftung mit den Preisträgern 2021 gemeinsam, denn für uns beide gilt wohl: Wir leben unsere Stadt und wollen sie noch liebens- und lebenswerter machen“, sagt Vorstandsprecherin Brigitte Büscher über die Preisträger. „Gerade im Jahr unseres 25jährigen Bestehens ist es eine Freude zu sehen, wie viele Menschen sich auf unterschiedliche Art und Weise für ihre Stadt stark machen".

Basierend auf einer Idee aus Süddeutschland, findet diese zweiwöchige, von der Evangelischen Kirchengemeinde getragene, aber weder konfessionsgebundene noch rein kirchliche Veranstaltung in der Gütersloher Martin-Luther-Kirche statt. Machbar und lebendig gehalten wird das Projekt, weil es ausschließlich von Ehrenamtlichen organisiert wird und komplett spendenbasiert ist. Die Vesperkirche wird von Einzelpersonen ebenso unterstützt wie von Vereinen, Gruppen, Initiativen, heimischen Firmen, Institutionen und großen Unternehmen – je nach deren Möglichkeit mit Zeit, Einsatzfreude oder Geld. Es ist ein Phänomen, was sich während der Vesperkirche tagtäglich ereignet. 

„Wissen Sie“, verrät eine Besucherin, „für mich als Rentnerin, die viel allein ist, ist das hier einfach toll. Ein gutes Essen und dabei auch noch nette Unterhaltung. Das macht mich für Tage glücklich.“ Und ihr Gegenüber nickt nachdrücklich, lächelt sichtlich verlegen und flüstert fast: „Man wird endlich mal wieder wahrgenommen.“ Da bekommt das Motto der Vesperkirche „Miteinander – gemeinsam – zusammen“ ein Gesicht.Nicht von ungefähr ist bei jeder Einweisung zum generalstabsmäßig geplanten Einsatz, die Dr. Nils Wigginghaus den täglich wechselnden Helfern gibt, immer auch die Ermahnung dabei: „Keine Hektik! Bleiben Sie gelassen. Nehmen Sie sich lieber Zeit für ein Gespräch. Geben Sie unseren Gästen das Gefühl, wirklich willkommen zu sein.“

In gut einer Stunde sind die 300 Essensportionen meist verteilt. Während viele Gäste noch im Gespräch vertieft sind, wird das schmutzige Geschirr zur Abholung durch die Arbeitslosenselbsthilfe (ASH) zusammengeräumt. Das Gläserspülen übernimmt das Parkhotel. Es sind viele Hände, die sich für die Vesperkirche rühren – und die man sich hier reicht. Wie heißt es doch im Gästebuch der Vesperkirche? „Diese Wochen sind eine Bereicherung für uns Gütersloher. Nette Begegnungen, tiefgreifende Gespräche, toller Service. So macht Gemeinschaft Spaß! Danke!“ Und an anderer Stelle ist zu lesen: „Suchet der Stadt Bestes! Die Vesperkirche Gütersloh ist ein Teil des Besten der Stadt.“